Verbindungswesen in Kiel

Kiel und die Universität

Zwischen 1233 und 1242 Gründung der Stadt Kiel durch den holsteinischen Grafen Adolf IV. von Schauenburg. Von 1284 – 1518 ist Kiel Mitglied der Hanse.

5. März 1460 Vertrag von Riepen – „Up ewig ungedeelt.“ Dieser folgenschwere Vertrag garantierte den Landesteilen des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holsein seitens der dänischen Krone, niemals getrennt zu werden. Man berief sich auf diesen Grundsatz im Jahre 1848, als es zur Erhebung gegen die Dänen kam.

1665 Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf gründet die Universität für sein Herzogtum (Christian-Albrechts-Universität).

Um 1750 bilden sich an den Universitäten lose gegliederte landsmannschaftliche Vereinigungen, die in Gegnerschaft zu den ab 1779 nachweisbaren studentischen Orden der Mosellaner und Amicisten stehen, bei denen Freundschaften lebenslang gepflegt, die Mitglieder nach sittlichen Grundsätzen erzogen und feste Verfassungen und Comments geschaffen werden (nicht in Kiel).

1767/68 Katharina II. (die Große) von Russland lässt der Universität ein neues Gebäude errichten und verleiht ihr 1770 ihre Lieblingsfarben violett-weiß.

1773 Nach Auflösung des Gottorfer Kleinstaates wird die Christian-Albrechts-Universität die Universität für das ganze Land Schleswig-Holstein.

1789 Beginn der Französischen Revolution. Viele Ihrer Ideale wie „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und Staatsmacht durch das Volk spiegeln sich neben dem Nationalstaatsgedanken in der ab 1815 aufkommenden burschenschaftlichen Bewegung wieder.

1800-1812 gehen die studentischen Orden durch das Aufkommen von „Landsmannschaften“ unter. Ihr Erbe sind die „Neuen Landsmannschaften“, in denen sich Ordensgeist mit neuen Zeiterscheinungen vereinigt (z. B. Einfluss von Dichtern und Denkern sowie der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Menschenwürde, Volksrecht und Weltbürgertum).
Die Gründungszeit der „Kieler Burschenschaft“

Im Sommersemester 1813 wird in eine „Burschenschaft Holsatia“ mit den Farben „violett-weiß“ gegründet. Diese Verbindung ist fast ein allgemeiner Studentenverein, lose organisiert und beinahe ohne Formalitäten und Äußerlichkeiten.

Präsidenstab der B! Holsatia Der Präsidenstab der „Burschenschaft Holsatia“, heute im Besitz der Teuten.

1813 Völkerschlacht bei Leipzig

1814-15 Wiener Kongreß: Restauration, Wiederherstellung der alten Ordnung, Gründung der „Heiligen Allianz“ zwischen Österreich, Preußen und Russland.

1815 senken die Landsmannschaften als Zeichen der Aufgabe ihre Fahnen vor dem Burschenschafterlokal „Tanne“ in Jena.

12. Juni 1815 Gründung der Jenaischen Burschenschaft (Urburschenschaft)

Wartburg18. Oktober 1817 Teilnahme von 25 Kieler Burschen am Wartburgfest. Die Jenaische Burschenschaft lud zu diesem „Fest des Vaterlandes und der Jugend“ um 300 Jahre Reformation und 4 Jahre Völkerschlacht zu feiern. Dieses Ereignis gilt als wesentliches im Geschichtsbewusstsein der heutigen Burschenschaften, da Studenten fast aller damaligen Hochschulen Gedanken über einen geeinten deutschen Nationalstaat, Demokratie und Menschenrechte austauschten und fortan geeint an der Realisierung dieser Ziele arbeiteten.

Am 6. November 1817 versuchen die Kieler Rückkehrer vom Wartburgfest, die Kieler „Burschenschaft“ nach jenaischem Vorbild zu verändern. Uneinigkeit in dieser Verbindung führt schließlich zur Spaltung in eine landsmannschaftlich orientierte Ausrichtung (später Corps) und eine burschenschaftliche Ausrichtung (Grundstein der heutigen B! Teutonia).

Der 6. Nov. ´17 gilt als Gründungstag der B! Teutonia zu Kiel.

April 1818 erster allgemeiner Burschentag in Jena. Dort wird über die Gründung einer „Allgemeinen Deutschen Burschenschaft“ verhandelt. Kiel ist durch Uwe Jens Lornsen vertreten, der sich als Vordenker eines deutschen Schleswig-Holstein einen Namen machte. Er gilt als der maßgebliche Gründer der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft.

10.-19. Oktober 1818 zweiter allgemeiner Burschentag in Jena. Eine „Allgemeine Deutsche Burschenschaft“ wird ins Leben gerufen. Dies ist die endgültige Abkehr der burschenschaftlichen Bewegung von den alten Landsmannschaften (später Corps). Die Kieler Delegierten waren an diesem Ergebnis maßgeblich beteiligt.

23. März 1819 Der radikale Burschenschafter Karl L. Sand ermordet den russischen Staatsrat August von Kotzebue. Als Reaktion auf das Attentat von Sand werden im August 1819 die Karlsbader Beschlüsse erlassen. Sie ziehen scharfe Maßnahmen gegen so genannte Demagogen, Pressezensur und hartes Vorgehen gegen die nationale und liberale Bewegung nach sich. Durch das unverantwortliche Handeln Sands und die harte Reaktion des Staates wird die aufkeimende Demokratie- und Nationalstaatsbewegung in Deutschland enorm gebremst. Burschenschaften sind fortan verboten, die „Allgemeine Deutsche Burschenschaft“ muss sich auflösen. Diese Beschlüsse bleiben in Kiel ohne tief greifende Folgen, da Kiel sich zwar im Deutschen Bund, aber unter dänischer Herrschaft befindet. Außerdem hatte die „Burschenschaft“ in Kiel damals mehr mit inneren Streitigkeiten als mit großer Politik zu tun.

Ende 1821 kommt es zur Auflösung der „Burschenschaft“ in Kiel infolge von Uneinigkeit und Streit über die Zielsetzung (burschenschaftlich oder landsmannschaftlich/ Corps).

Am 13./14. Dezember 1821 wird die Kieler Burschenschaft von ihren liberalen, demokratisch orientierten Mitgliedern unter dem Namen Germania neu gegründet.
Etablierung der Burschenschaft in Kiel

Am 31. August 1823 wird nach Abspaltung von der Burschenschaft – infolge der Streitigkeiten vom Dezember 1821 – eine zunächst lose corpsstudentische Vereinigung gestiftet.

Hambacher Fest27. Mai 1832 „Hambacher Fest.“ Öffentliche Forderung nach einem deutschen Bundesstaat mit den Farben „schwarz-rot-gold“ (von der Jenaischen Burschenschaft und dem Lützowschen Freikorps übernommen).

1833 „Frankfurter Wachensturm“ durch radikale Burschenschafter. Metternich bewirkt die Auflösung aller reichsdeutschen Burschenschaften. Da Kiel nicht zum Reich gehörte, sondern unter der dänischen Krone stand, war die die Germania Kiel hiervon nicht direkt betroffen.

Am 3. September 1836 wird die Burschenschaft unter dem Namen Studentenschaft „Albertina“ mit den Farben „violett-weiß“ neu gegründet; unter diesem Band verborgen werden die Farben „schwarz-rot-gold“ getragen.

Im SS 1843 wird die „Albertina“ in „Kieler Burschenschaft“ umbenannt, um den burschenschaftlichen Charakter der Verbindung hervorzuheben.

Ab 1840 verstärkt König Christian VIII die Danisierungsversuche in den Herzogtümern Schleswig, Holstein und Lauenburg. Am 24. März 1848 wird eine deutsche „Provisorische Regierung“ vor dem Kieler Rathaus proklamiert. Dies gilt als der Beginn der Erhebung der deutschen Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark. Sie wurde begünstigt durch den Tod des dänischen Königs im Januar und durch den Ausbruch der Februarrevolution in Frankreich, die die Franzosen zur Republik führte.

1848-1850 Schleswig-Holsteinische Erhebung, der so genannte erste Deutsch-Dänische Krieg. Es kommt zur Auflösung der Aktivitates der beiden Corps (Saxonia und Slesvico-Holsatia) und der Burschenschaft und zur Eingliederung derselben in ein militärisches Studentenkorps. Nach der fehlgeschlagenen Erhebung kommt es dann auch in Kiel zum Verbot der deutsch gerichteten Burschenschaft. Die Reihen der Studenten sind nach dem Krieg so stark geschwächt, dass der Vorlesungsbetrieb nur bedingt wieder stattfindet. An Verbindungsleben ist vorerst gar nicht zu denken. Am 18. Mai 1848 wird die verfassungsgebende Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche eröffnet. Das Parlament von 809 Abgeordneten verzeichnete in seinen Reihen 163 Burschenschafter. Unter ihnen einige Kieler Burschenschafter.

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